Der Hybrid-Van "Sachsenring uni1" E/TDI

Zurück in die Zukunft! In nur zweieinhalb Jahren entwickelt und 1996 vorgestellt, heute parkt er im Museum der verpassten Chancen

img001big 1993 wurde die Sachsenring Automobilwerke Zwickau GmbH zu einem Automobilzulieferer, der späteren Sachsenring Automobiltechnik GmbH, umgebaut.

Neue Wege? Neue Fahrzeuge? Ja, zum Beispiel der "Sachsenring uni1" E/TDI, ein geräumiger Hybrid-Van (Siebensitzer), wurde von der Sachsenring Automobiltechnik GmbH in nur zweieinhalb Jahren entwickelt und 1996 vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Begriffe "Hybrid" und "Van" der breiten Masse noch unbekannt. (Bild links: 1997, der Hybrid-Van "Sachsenring uni1" E/TDI auf der AMI in Leipzig. Bild rechts: 1998, der uni1 als Taxiversion. Fotos: privat)

Das innovative Fahrzeug, das neben seinem serienmäßigen 1,9-Liter-TDI-Motor zusätzlich noch einen Elektromotor an Bord hatte, sollte ab 1998 als Großraum-Limousine und als Kleintransporter auf den Markt gebracht werden.

img002big Die Zielstellung: "... Mit der Entwicklung des "uni1" als möglichem Bindeglied zwischen moderner Kraftfahrzeugtechnik von heute und dem zukünftigen Brennstoffzellenfahrzeug, sollte eine Idee Wirklichkeit werden. Als Systemführer realisierte Sachsenring ein Fahrzeug, dessen Konstruktion das Beste in Bezug auf Styling, Technik, Sicherheit und Komfort sowie Umweltfreundlichkeit bietet. ..." (Sachsenring Automobiltechnik AG, 1997, Prospekt "Mit doppeltem Antrieb in die Zukunft" und Prospekt "Visionen")

img003big (Bild links: 1998, alle drei Versionen des Sachsenring uni1 - der Pick-up "uni1.3", der Van "uni1.1" und das Taxi "uni1.2" - auf der ADAC-Teststrecke am Sachsenring. Foto: privat)

Was wurde daraus? "... Der uni1 von Sachsenring aus Zwickau zeigte 1996 einen exzellenten deutschen Hybrid-Antrieb. Heute parkt er im Museum der verpassten Chancen. ... Das Land Sachsen übernahm 60 Prozent der Entwicklungskosten - der Prototyp war etwa 15 Millionen Mark wert. Doch dem uni1 erging es wie vielen guten Ideen: ... Niemand wollte ihn, ..." (www.motor-klassik.de, 2007, uni1 E/TDI: Hybrid-Klassiker)

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Presse und Medien

16.07.2007 - www.motor-klassik.de

uni1 E/TDI: Hybrid-Klassiker

Der uni1 von Sachsenring aus Zwickau zeigte 1996 einen exzellenten deutschen Hybrid-Antrieb. Heute parkt er im Museum der verpassten Chancen.

Von Peter Wolkenstein

Der Begriff Hybrid ist ein echter Hybrid-Begriff, weil er zwei ganz verschiedene Bedeutungen in sich vereint: Die alten Griechen bezeichneten damit das Hochmütig-Vermessene, während ihn die ebenso alten Lateiner für das Gemischt-Verschiedene hernahmen. Heute nennen die Automobiltechniker eine Antriebstechnik Hybrid, die sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen Elektromotor umfasst.

Die Radnaben-Technologie

Das Konzept wurde schon von Ferdinand Porsche 1902 im Lohner-Porsche ausprobiert. Unter dessen Motorhaube knatterte als serieller Hybrid ein Stromerzeuger, der Blei-Säure-Akkus lud und die E-Motoren in den Radnaben versorgte. Auf der Straße war dieses Prinzip nie sehr erfolgreich; die Radnaben-Technologie funktionierte im Grunde nur einmal gut, und zwar auf dem Mond. Das war 1971 im Lunar Rover während der Apollo-15-Mission. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Erdölvorräte endlich sind und damit unweigerlich einmal zur Neige gehen werden, experimentierten in der Zeit nach 1945 viele Autohersteller mit Übergangsformen zum stromgetriebenem Auto - den Parallel- Hybriden. Die laufen sowohl mit elektrischer Kraft als auch mit Benzin- oder Dieselmotoren.

Hybridwagen mit Alu-Karosse

Toyota brachte mit dem GT 800 schon 1967 ein Hybrid-Coupé auf den Markt. Volkswagen legte zehn Jahre später im Kleid eines Taxi-Transporters auf T2-Basis so ein doppeltes Flottchen nach. Audi packte dem 115-PS-Motor im Typ 100 einen 29-PS-Elektroantrieb bei, nannte das ganze Duo und verfolgte das Konzept bis hin zum A4 - der allerdings nicht gekauft, sondern nur geleast werden konnte. Auch Ford experimentierte mit einem Hybrid-Escort, den bei Benzinfahrt ein flach bauender Zweitakter beschleunigte.

Die allermeisten frühen deutschen Hybrid-Autos beschränkten sich auf neue Technik in bekannten Karosserien, doch 1996 tauchte plötzlich ein Hybrid-Van auf, der von seinem Space-Frame bis zur Aluminium-Karosserie auf die doppelte Antriebstechnik hin konzipiert war: der uni1 von der Zwickauer Sachsenring GmbH. Der Blick in den Maschinenraum macht linkerhand einen Turbodiesel-Direkteinspritzer von Audi mit 90 PS aus. Rechterhand thront über dem Fünfganggetriebe die Starterbatterie. Der Clou steckt in der Mitte: Unter dem rechteckigen Aluminiumgehäuse der Steuerelektronik sitzt zwischen Motor und Getriebe nicht nur die Kupplung, sondern auf der gleichen Welle auch noch der integrierte Rotor eines 30 kW starken Elektromotors. Im Fachjargon heißt dieses Prinzip paralleler Einwellen-Hybrid-Antrieb. Mitentwickelt und aufgebaut wurde der erste uni1 von der Prototypen-Schmiede Lorenz und Rankl im bayerischen Wolfratshausen bei München.

Der E-Motor leistet 41 PS

Firmenchef Friedrich Peter Lorenz hat ein Faible für die Produktion besonderer Einzelstücke: Er erfreute die Welt in den 80er Jahren nicht nur durch den Sportwagen Silberfalke mit BMW-V12-Motor, sondern auch mit zum Cabrio geöffneten Coupés etwa auf Ferrari-Testarossa-Basis oder, später dann, mit dem Audi Avus. Die Sachsenringer vernetzten in kaum zwei Jahren vorhandene Großserientechnik mit neuem Know-how zu einem Prototypen, der auf Anhieb prachtvoll funktionierte. Mit dem Zündschlüssel wird der Diesel gestartet, der Schalthebel rückt ohne Kupplungtreten elektrohydraulisch den ersten Gang ein, und beim Gasgeben wird automatisch der Kraftschluss hergestellt. Durch Zurückziehen des Hebels in der rechten Gasse wird hochgeschaltet, durch Vordrücken herunter. Zieht der Fahrer den Wählhebel in der linken Gasse bis zum Anschlag nach hinten, schaltet sich der Diesel ab, und der Elektromotor übernimmt lautlos den Antrieb.

Servolenkung und Bremskraftverstärker bleiben im Dienst: Sie werden durch elektrische Pumpen versorgt. Erneutes Zurückziehen des Schalthebels startet den Diesel wieder, und die Automatik wählt den zum Tempo gerade passenden Gang. Der damalige Geschäftsführer vom einstigen Trabant-Produzenten Sachsenring, Jürgen Rabe, sah erstaunlich klar: "Wir gehen davon aus", erklärte er 1996, "dass künftig Innenstädte zunehmend für Abgas produzierende Autos gesperrt werden." Der uni1 war damals ein schönes, genau in die heutige Zeit passendes Projekt. Und es kam aus Deutschland: Fichtel und Sachs produzierten nicht nur den E-Motor, sondern auch die elektrisch betätigte Schalthydraulik, die BMW dann wenig später in den M3 übernahm.

uni1 - ein Hybrid aus Deutschland

Die elektronische Steuerung baute die Berliner Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV), hinter der Siemens, Volkswagen, Arvin Meritor, Freudenberg und General Electric stecken. Das Land Sachsen übernahm 60 Prozent der Entwicklungskosten - der Prototyp war etwa 15 Millionen Mark wert. Doch dem uni1 erging es wie vielen guten Ideen: Er kam ein Jahrzehnt zu früh. Niemand wollte ihn, weder Firmen noch private Kunden. Die Politik wollte ihn erst recht nicht. Natürlich besaß auch der Alu-Van damals noch die Nachteile seiner Rasse: Die elektrische Ausrüstung einschließlich der Batterie bringt zusätzliches Gewicht, rund 200 Kilogramm. Das muss beschleunigt werden, also steigt der Verbrauch im Verbrennungsbetrieb. Die Batterie liefert nur für kaum zweistellige Kilometerzahlen Saft, arbeitet aber mit 284 Volt Spannung, und zwar Gleichstrom, der ab etwa 120 Volt absolut tödlich wirkt.

Bei einem Crash könnte ein Hybrid-Auto somit im ungünstigsten Fall zum elektrischen Stuhl werden, rein theoretisch. Welche Power schon in winzigen Lithium-Ionen-Akkus steckt, liest man ab und zu in der Tagespresse, wenn über eine unerklärliche Handy-Explosion berichtet wird. Lorenz und Rabe, so viel Ehre muss sein, waren 1996 auf dem absolut richtigen Weg. "Japanische Hersteller", registrierte man damals bei Sachsenring, "sind an unserer Hybrid-Technik besonders interessiert. Könnte sein, dass wir da einen Stein ins Rollen gebracht haben." Jetzt walzt er aus Fernost zurück.

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12.09.1998 - www.driveandtravel.de

uni1 - Hybrid - der doppelte Antrieb für die Zukunft

Die Sachsenring Automobiltechnik AG stellte in Zwickau erstmals die gesamte Palette der "uni1"-Reihe vor. Neben dem bereits bekannten 7-sitzigen Van wurde der Presse nun noch die Neukonstruktion eines London-Taxis und eines Pick-up gezeigt. Man kann es drehen wie man will, ein neues Konzept für die Zukunft muss entwickelt werden, alleine schon, um die Emissionswerte zu verringern.

Das Antriebskonzept - Einwellen-Parallel-Hybrid - des uni1 ist eine Kombination von einem konventionellen TDI-Motor mit einer speziell entwickelten Elektromaschine, die man zwischen Verbrennungsmaschine und Getriebe findet. Toll bei diesem Konzept ist, dass das Fahrzeug sowohl verbrennungsmotorisch als auch elektrisch bewegt werden kann, und natürlich ist auch eine Kombination beider Antriebsarten möglich. Der E-Motor - mit einer Leistung von 30 kW - reicht im Stadtverkehr völlig aus, ist emissionsfrei und geräuscharm. Im Überlandverkehr kommen der extrem niedrige Verbrauch und das gute Leistungsverhalten des TDI-Motors zum Tragen.

Die Sachsenring AG Zwickau ist verantwortlich für Bodengruppe und Aufbau der SPACECAGE-Struktur. Die IAV Chemnitz konzipierte und realisierte die übergeordnete Fahrsteuerung. Als kompetenter Partner entwickelte Mannesmann Sachs den integrierten Elektroantrieb und die Automatisierung der Kupplung und des Schaltgetriebes. Dass dies alles gut harmonisiert, davon konnten wir uns bei einer Probefahrt auf dem Sachsenring selbst überzeugen.

Der Pick-up zeigt eine der Möglichkeiten der Karosseriegestaltung. Bei einer Zuladung von 780 kg kann man schon allerhand mitnehmen, was ihn für viele Bereiche einsetzbar macht. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h (VKM), 100 km/h (E) und 168 km/h (additiv) ein durchaus brauchbarer Partner, auch bei Autobahnfahrten.

Die Taxi-Variante spricht für sich - sowohl im Verbrauch 6,6 Liter/100 km aus Drittelmix bei VKM-Betrieb - als auch bei dem angebotenen Zubehör: Dachzeichen mit stummen Alarm, Taxialarmanlage, Taxameter integriert in Dachhimmelmodul, Sitzbelegungserkennung, Funkausrüstung, Audio- und TV-Anlage, Navigationssystem mit einem aus der Armaturentafel herausfahrbarem Bildschirm, Sicherheits-Trennscheibe elektrisch versenkbar mit Wechselsprechanlage, Fahrerhandy mit Freisprechanlage, bordgebundenes Mobiltelefon für Fondpassagiere, aufklappbarer Arbeitstisch im Fond mit 230 V Wechselspannungsanschluss für Laptop, Kreditkartenleser mit Quittungsdrucker, Beifahrersitz unter Armaturentafel wegklappbar, zweite Sitzreihe mit integrierten Kindersitzen, Einfahrmöglichkeit für Rollstühle und Kinderwagen.

Bei einer Probefahrt auf dem Sachsenring, zeigte der uni1 was in ihm steckt. Fast geräuschlos mit Elektroantrieb, leise dieselnd mit dem TDI Aggregat und beide zusammen sorgen für energischen Vortrieb. Die Straßenlage konnte voll und ganz überzeugen, man frägt sich eigentlich nur, warum dieses Fahrzeug noch nicht auf unseren Straßen zu finden ist.

Dass die "uni1"-Reihe eine Entwicklung für die Zukunft ist, sieht man auch daran, dass 80-90 Prozent recycelt werden können. Der Rahmen ist in SPACECAGE-Technik gefertigt, was bedeutet, dass aus einem Strang gepresste Aluminium-Hohlprofile zum Fahrzeuggerippe verschweißt und nachfolgend mit Aluminiumblechen beplankt werden. Dadurch werden 20 bis 30 Prozent Gewicht eingespart, was natürlich ein entscheidender Faktor ist bei einem Fahrzeug, das für den Vortrieb nur wenig Energie verbrauchen soll.

Die erste Hürde, den "Elchtest", hat der uni1 mit Bravour bestanden und man kann nur wünschen, dass dieses Konzept der "uni1"-Reihe Realität wird. Allerdings muss dazu noch eine weitere Hürde genommen werden, die Sachsenring Automobiltechnik AG möchte noch einen Vertriebs- und Servicepartner finden, dies sollte doch möglich sein!

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02.11.1996 - Berliner Zeitung

Die Zwickauer melden sich mit einer Großraum-Limousine zurück

Sachsenring will Alu-Van mit Hybridantrieb bauen / Prototyp fertiggestellt

Audi machte mit dem erstmals in Berlin gezeigten A4 Avant duo den Anfang und demonstrierte, dass sich in Richtung Hybridantrieb künftig einiges bewegen werde. Nun kündigt die nächste Marke ihren Auftritt an: Sachsenring. Wie wir bereits zu Jahresbeginn berichteten, wird in den Hallen des ehemaligen Trabiwerkes emsig an einem Hybridfahrzeug gearbeitet. Jetzt ist der Prototyp fertig. uni1 heißt der Van, der (wenngleich bei der Namensgebung der Trabant Universal Pate stand) mit dem Trabi so viel gemein hat wie BMWs Roadster mit einer Isetta. Denn das neue Fahrzeug vereint die neuesten Technologien des Automobilbaus. So besteht die Karosserie der 4,40 Meter langen Großraum-Limousine wie der Audi A8 aus Aluminium. Damit ist der Sachsen-Van etwa eine Streichholzlänge kürzer als beispielsweise ein Peugeot 806 und bietet bis zu sieben Personen einen Sitzplatz.

Der Clou des unter Sachsenrings Federführung entwickelten uni1 ist jedoch das Antriebskonzept. Die Ex-Trabi-Bauer - Projektleiter Gernot Sammet war einst für das Tuning von Trabimotoren zuständig - pflanzten dem Van einen 90 PS starken 1,9-Liter-TDI-Motor von Volkswagen und einen Elektromotor unter der Motorhaube aus Leichtmetall. Da auch Audi auf diese Mischung setzt, ist das noch nicht die Neuheit. Das ist der Elektromotor. Während Audi einen 21 kW (29 PS) starken Motor von Siemens einsetzt, ließ Sachsenring bei Fichtel & Sachs eigens einen 30 kW (41 PS) starken Elektromotor und dazu das passende Getriebe entwickeln.

Er soll den Van abgasfrei durch die City gleiten lassen. Die Bord-Batterien gewährleisten eine Reichweite von rund 80 Kilometern. Eine weitere Besonderheit ist die Platzierung des Elektrotriebwerkes. Denn das befindet sich zwischen dem Dieselmotor und dem Getriebe. So ist es möglich, mit Dieselkraft, Elektroantrieb oder Diesel und Elektrokraft zu fahren. Entscheidet sich der Fahrer für den synchronen Einsatz beider Aggregate, steht ein Gesamtdrehmoment von gut 300 Newtonmeter zur Verfügung. In der kommenden Woche wird Sachsenring den Prototyp der Öffentlichkeit präsentieren. Bis zum Start der Serienproduktion ist es jedoch noch ein langer Weg.

"Noch vor der Jahrtausendwende", so erfuhren wir bei Sachsenring, soll der uni1 vom Band rollen. Was er dann kosten wird, ist derzeit reine Spekulation. Audi hat sich mit dem Duo festgelegt. Für 60.000 Mark wird er zu haben sein. Da vom uni1 vorerst keine enorm hohen Stückzahlen zu erwarten sind, dürfte der Sachse nicht viel preiswerter werden. Wenn überhaupt. Als mögliche Kundschaft sieht Sachsenring Flottenbetreiber wie Zustelldienste, Post und Telekom sowie Taxiunternehmen und Krankentransporte.

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(Quellen: Sachsenring Automobiltechnik AG, Veröffentlichungen in Presse und Medien. Achtung! Alle Angaben sind ohne Gewähr! Für Fehler und den aus deren Nutzung resultierenden Schäden übernehmen wir keine Haftung. Die kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich untersagt.)


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